Angelika Langner-Grohs (Stefan Bellofs Verlobte):

«Stefan war auf der einen Seite sehr willensstark, auf der anderen Seite war er sehr, sehr sensibel. Er hat unheimlich viel mit den Augen gesprochen, da konnte er tausendmal lachen - ich hab' ihm in die Augen geguckt, dann wusste ich, was los war. Er war sehr zielstrebig, hat seine Zukunft Schritt für Schritt geplant, er war lebenslustig und liebenswürdig. Nach dem Unfall habe ich aus vielen Schreiben erfahren, dass er durch seine Art und Ausstrahlung vielen Menschen, die ihn gar nicht persönlich gekannt haben, etwas gegeben hat. Für ihn war Rennen fahren immer Spaß, das war kein Job zum Geldverdienen. Als er dann in die Formel 1 gekommen ist und gesehen hat, dass es mehr oder weniger nur ums Geld ging, war er eigentlich ein wenig traurig. Er ist war damals aber immer auf dem Teppich geblieben, auch wie das mit Ferrari klar wurde. Fahrerisch hatte ich von ihm immer den Eindruck, dass er hundert Prozent gefahren ist. Nur waren seine hundert Prozent halt ein bisschen höher als die der anderen.»

 

Goa und Gunter Kuch (Foto: HTS)
Georg Bellof jun. (Stefans Bruder):

«Es war 1982. Stefan fuhr für Walter Lechner Formel-Ford 1600 in Zolder. Ich bin da sonntags mit Freunden von Gießen hin zum Zuschauen. Stefan gewann das Rennen auf seinem PRS-Minister nach hartem Fight klar. Auf der Heimfahrt, Stefan fuhr noch seinen legendären schwarzen Golf GTI, ging ihm kurz vor der Tankstelle bei Genk der Sprit aus. Ich fuhr mit meinem VW Scirocco hinter ihm. Plötzlich war klar zu sehen was da kam. Stefans Wagen machte einige Rucker, Mein Bruderherz lenkte noch kurz nach links und rechts um Sprit an den Saugstutzen zu schwappen, aber dann rollte er aus. Ich hielt hinter ihm an. Wir stiegen alle aus. Kurz entschlossen, die Tankstelle war ja in Sichtweite, wurde eine Decke von der Rückbank aus Stefans GTI genommen, behutsam um die Stoßstange gelegt, leicht eingezwängt um nicht abzufallen und ich schob ihn mit meinem Scirocco die kurze Strecke bis an die Zapfsäule. Böse Zungen behaupteten später doch glatt der Weg bis zur Tankstelle sei mehrere Kilometer lang gewesen.

Und wir seien volles Rohr im Schiebebetrieb zur Tankstelle gefahren. Das hätten wir nie gewagt. Stefan jedenfalls konnte tanken. Unsere Freunde verteilten sich wieder in beiden Autos und ab ging's über Aachen, vorbei an Kerpen, Klein Schumi fuhr zu der Zeit noch Kart, weiter über Köln Richtung Gießen. Ja, wir wussten uns damals halt zu helfen. Auch wenn mal n' Liter Sprit fehlte.»

 
 
Frank Jelinski (Ex-Rennfahrer):

Frank Jelinski und Stefan Bellof (1983)

«Stefan kannte ich schon, genau wie sein Bruder Georg, aus gemeinsamen Karttagen. Als Junioren haben wir so manche Rennen auf seiner Hausbahn in Oppenrod ausgetragen. Schon damals war er verflixt schnell und galt als „Wilder Hund“.

In der Formel 3 trafen wir 1981 zum ersten Mal außerhalb des Kartsports aufeinander. Beide stiegen wir mit Verspätung in die Deutsche Meisterschaft ein. Im Team von Bertram Schäfer gelang es uns abwechselnd die Siege einzufahren und hatten am letzten Lauf auf dem Nürburgring beide Chancen auf den Titel. Dort räumte Jochen Dauer dann richtig auf. Erst traf er mich dann Stefan. Während ich Glück hatte, weiterfahren konnte und mir den Titel sicherte, musste Stefan an die Box und damit seine Hoffnungen begraben.

Im Jahr 1982 wechselten wir beide in die Formel II. Stefan im Maurer Werks Team und ich im blieb dem Team von Bertram Schäfer treu, ebenfalls mit einem Maurer/BMW.

Die Saison begann in Silverstone so wie die Formel III am Nürburgring geendet hatte, mit packenden Zweikämpfen zwischen den beiden Deutschen „Youngstern“ Und dies nicht in den Niederungen der Feldes sondern ganz weit vorn. Kurz vor Rennende ging Stefan an mir vorbei und sicherte sich den ersten Formel II Sieg in seinem aller ersten Rennen. Gerne wäre ich zweiter geworden, aber mein Motor machte ging zwei Runden vor Schluss ein. Wir kamen uns vor wie in der Deutschen Formel 3 so dominant waren die Deutschen Jungs bei ihrem Formel II Debüt. Mit dem Sieg im ersten Rennen begann Stefans beeindruckender Aufstieg und Profi - Karriere, deren krönender Abschluss ihm leider verwehrt wurde.»

 
Peter Hoffmann (Ex-Rennfahrer):
Der Heilbronner Peter Hofmann gehörte Ende der 70er Jahre zu den Frontrunnern im deutschen Kartsport. Mit internationalen Erfolgen machte er anschließend auch Europaweit auf sich aufmerksam. Und man kannte sich natürlich von den Kartstrecken, die Hofmanns und die Bellofs. «Stefan war damals eine der Lichtgestalten dieses Metiers», so Peter Hofmann noch heute anerkennend. Und das noch über 25 Jahre danach. «Natürlich hatte ich mit meinem Vater, er förderte meine Motorsportambitionen übrigens absolut voll, auch schon über den Automobilsport gesprochen. Aber wir waren mit unserem Sponsor Barho Autoteile aus Heilbronn und weiteren Förderern einig auch über 1980 hinaus weiter Kart zu fahren. Durch den Gewinn des Vizetitels in der Kart-EM wurden wir natürlich entsprechend beflügelt», so Hofmann heute. Dann aber kam alles plötzlich ganz anders. Ein Audiingenieur aus der heimischen Region fuhr neben Stefan Bellof im Formel-Ford-Team des Österreichers Walter Lechner. Immer mehr junge Kartasse stiegen in jenen Jahren vom Kart in die schlanken Ford-Rennwagen um. Der Freund aus der Region sprach Stefan Bellof auf einen Test mit einem Team-Lechner Formel-Ford für mich an. Stefan war sofort dazu bereit und managte den Test mit dem Team aus Österreich. 14 Tage später ging’s im Rahmen eines Rennens in Hockenheim schon los. «Noch ohne Rennoverall, bekleidet mit meiner Kartkombi schlüpfte ich in einen der britischen Team-Lechner-PRS Rennwagen. Ein Wahnsinnsgefühl. Ich war begeistert.

Stefan Bellof ging minutiös alles was zu beachten war mit mir durch. Die ersten Runden rollte ich noch um den Kurs. Es ging darum das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Ein früher Unfall hätte alles sofort beenden können. Später gab ich kräftiger Gas. Das Auto zeigte Reaktionen. Stefan ließ es nach meinen Wünschen immer wieder neu abstimmen. Franzi Maier ein begnadeter Rennmonteur erledigte das. Stefan Bellof nahm Rundenzeiten und beriet mich. Als ich mich nach einer Stunde aus dem Cockpit schlängelte war es klar. Ich wollte so ein Rennauto fahren. Stefan lachte schallend und meinte in breitem Hessisch, Das hät isch Dir glei heut Morgge sagge könne». Die Entscheidung war gefallen. Vater Hoffmann begab sich am selben Tag noch auf Sponsorsuche. Firma Barho aus Heilbronn schaffte einen neuen britischen PRS an. Später wurde noch ein leistungsstarker Gätmomotor erworben. Ab sofort hieß es… «Umsteigen in die Formel-Ford ist angesagt»

 

Formel Ford 1600 (1980)
Mario-Alberto Bauer (Ex-Rennfahrer):

«Das erste mal erblickte ich Stefan Bellofs Fahrkünste Ende 1980 in Hockenheim, als ich erstmals ein Formel Ford-Rennen besuchte um die Szene zu beschnuppern. Ich hatte ein paar recht viel versprechende Testfahrten absolviert und suchte nun nach einem Einstieg. Ein Fahrer stach mit seinem Stil aus der mir völlig unbekannten Menge hervor. Er gewann das Rennen locker und hatte diesen idealen Mix zwischen sichtbarem Speed und einer sehr sauberen Linie. "Wer ist das?" "Das ist der Bellof", antwortete man mir. "Der ist der diesjährige Meister" Aha! Sagte mir zwar nix, da ich mich auch in der deutschen Kart-Szene nicht auskannte, merkte mir den Namen aber trotzdem.

Die nächste Begegnung mit Stefan war auf der Piste. Doch auch diesmal war mir das nicht sofort klar. Nach zwar guten aber chaotischen ersten Rennen Ende 1980, bei denen keiner der Meisterschaftsfahrer dabei war, nahm ich im Vorjahresauto von Volker Weidler an den Vorsaison-Tests teil. Ich war recht flott unterwegs, aber eben noch immer ein Lehrling. Als ich nach einem Run die Box anlief und das mit der Behutsamkeit und Vorsicht eines unerfahrenen Fahrers tat, drosch plötzlich einer haarscharf innen vorbei, halb auf dem Gras, geht fürchterlich quer in den Rechtsknick der Boxeneinfahrt hinein. Ich konnte gerade noch wahrnehmen, dass es ein gelbes Auto war, erkannte einen weißen Helm. Halb beeindruckt, halb fassungslos fragte ich an der Box meinen Teamchef, Weidler Senior. "Das kann ja nur der Bellof gewesen sein", antwortete der einigermaßen angefressen. Offenbar war das Manöver Absicht, Stefan glaubte wohl Volker sei in seinem alten Auto unterwegs, an dessen neuen, soeben eingetroffenen Van Diemen RF81 wurde noch geschraubt. Das erste mal so richtig um die Wurscht gegen Stefan ging es beim in Mainz-Finthen. Da ich damals unweit von Mainz wohnte, war das so etwas wie mein Heimrennen, auch wenn es ein Gastspiel bei einem ONS-Lauf würde. Die Topleute in jener Serie waren Stefan und sein Teamkollege Bartl Stadler, Volker und Markenkollege Thomas Holert, die hier von Van Diemen-Importeur Peter Kröber Verstärkung erhielten. Stefan und Peter tobten bereits im Training um den Flugplatzkurs als ging es ums schiere Leben. Ich hing mich für eine einzige Runde dran, dann ließ ich mich zurückfallen, So wie die quer zwischen den Reifenstapeln rum flogen, würden da wohl noch die Fetzen fliegen. Auf der Strecke haben wir uns leider nie mehr getroffen, daneben schon ab und an mal, meist im Formel 1-Fahrerlager. Das letzte Mal am Nürburgring beim Grand Prix. Damals empfand ich es als nichts besonderes Ayrton Senna und Stefan Bellof auf und neben der Rennstrecke zu begegnen. Als junger, ambitionierter Kerl, überzeugt von den eigenen Fähigkeiten, waren das nur Fahrer dies es zu schlagen galt. Auch wenn sie unbestreitbar ganz besondere Qualitäten besaßen. Heute sind es mir wertvoll gewordene Erinnerungen, für die ich dankbar bin.»

 
 

S.Grotstollen mit Maurer F2 Wagen
Stephan Grotstollen (Unternehmer):

«Damals 14 Jahre jung, war ich ein glühender Verehrer von Stefan Bellof und blieb es auch bis heute. Zweimal sah ich mein Idol. Zum zweiten Mal beim F-1-Rennen in Zolder. Dort kam ich aber nicht mehr mit ihm ins Gespräch. Ein Jahr zuvor in Hockenheim klappte das aber sehr gut. Zusammen mit Renntechniker Albert Meier, meinem Onkel und einem weiteren Freund von Stefan gingen wir nach dem F2-Training ins Best-Western Hotel rüber um etwas zu essen. Wir wählten alle das selbe Essen aus: Schnitzel, Pommes und Salat. Dabei wurde viel Benzin geredet, aber eben auch über alles Mögliche geflachst und gelacht. Stefan wirkte auf mich damals recht nervös. Ich denke aber das täuschte bei unserm guten Gießener Hero. Der war einfach voller Lebensfreude und ich deutete das seiner Zeit eben anders. Ich habe vor lauter Begeisterung und Bewunderung kaum was zum Gespräch beitragen können. Auch heute bin ich noch begeistert, das so erlebt zu haben.»

 

Minister Werbung von 1981
Bernhard Scholz (Motorenentwickler bei AVL-Graz):

«Ich sah Stefan Bellof 1980 zum ersten Mal bei einem Formel-Ford-Rennen in Hockenheim. Ein brillanter Fahrer. Das sah man sofort. Er scheute sich nie sein Rennauto, einen PRS-FF80 glaube ich, auch mal zu überziehen, wenn das nötig wurde. An den Kampf mit Volker Weidler erinnere ich mich deshalb noch so gut, weil der ja später auch mal kurz in die F1 reinschnuppern konnte. Ich selber interessierte mich schon damals sehr für die Technik der Formel-Ford Renner. Selber habe ich mal einen Formel-V mit Freunden gebaut. Was mich später freute war Bellofs Titelgewinn in Deutschland. Das erfuhr ich als ich in China eine englische Autosport lass und Stefan Bellof in der riesigen Werbeanzeige des britischen Motortuners Minister als Deutscher Champion aufgeführt war. Danach erlebte ich noch weitere Rennen von Bellof. Darunter seinen Start mit Walter Lechner Racing School in der Formel-Super-VW auf Ralt. Ein Bombenrennen auf dem Norisring. Ich habe noch irgendwo Fotos davon. Ganz toll die Kulisse dort. Wahnsinn. Ich erinnere mich gerne daran zurück.»

 

Bernhard Weiss mit Overall
Bernhard Weiss (Versuchsmechaniker):

Bernhard Weiss war ein junger Bursche als er begann Formel-V Rennen zu bestreiten. Der junge Versuchsmechaniker bei Audi in Neckarsulm verfügte natürlich über enorme Automobil-baukenntnisse. «Das half mir bei meinen ersten Rennen in der Formel-V und später in der Formel-Ford gewaltig», so der Unterländer. In seinen Formel-Ford Jahren lernte "Börni" Weiss Stefan Bellof kennen. Der Gießener verkaufte ihm 1982 seinen erstem Overall, den von 1980 mit den dunkelblauen Nadelstreifen. «Das Ding saß bei mir wie angegossen», berichtet Rennfahrer Bernhard Weiss noch heute, und strahlt. «Die späteren schwabbelten im Schritt und zogen in den Schulter. Baaa! Schade das ich das gute Stück von Bellof nicht behielt. Stefan Bellof war wirklich n' toller Bursche. Wer den nicht kennen lernen durfte ist am Leben vorbei gegangen», lacht schallend, ging zu seinem Auto - Da, da, da, dröhnt Stefan Remmler aus dem Radio, steigt ein und rauscht davon. Bernhard Weiss ist in Deutschland bekannt als Vertreiber originaler roter britischer Telefonzellen. Rufen sie ihn an. Er bringt ihnen eine, frei Haus.

 

Alber Maier links oben
Albert Maier:

Albert Maier, 1980 Renntechniker in der Formel-Ford-DM, war stehts vor Ort, wenn auch Stefan Bellof am Start war. "Mein Pilot", so Albert Maier," hatte ja auch Hilfe von den Team Lechner Leuten für die er fuhr. So war die Sache an den Wochenenden für mich nicht ganz so stressig". Bei den DM-Läufen am Ring und in Hockenheim waren 5 Lechner-PRS-Minister-Rennwagen am Start. "Da wurde jede kundige Hand gebraucht. Ich legte bei Stefan mit Hand an. Mein österreichischer Namensvetter Franzi Maier war Chefschrauber bei Stefan. Mit Franzi zu arbeiten war absolut top. Der verstand sein Handwerk wie ich mir das immer vorgestellt habe". Nach Albert Maier aus Deutschland waren Stefan Bellof und Franzi Meier das geborene Erfolgsteam.

 

Ted Johannisse mit seinem Helm
Ted Johanisse (Fan und Rennfahrer - Niederlande):

1985 im Alter von 14 Jahren sah Ted Johannisse Stefan auf dem Nürburgring. «Ich weiß es noch genau, es war am 10 Juli, mit meinen Eltern und meinem Bruder machten wir Urlaub in der Eifel. Auf dem Nürburgring wurde getestet. Durch ein bisschen Glück kam ich ins Fahrerlager und konnte neben Stefan stehen. Ich war begeistert mein Idol zu sehen und vergaß dabei leider ihn um ein Autogramme zu bitten. 20 Jahre später hab ich endlich durch eine Internet Auktion eins bekommen. Es war ein Schock für mich als ich am 1.September 1985 von diesem schrecklichen Unkglück hörte. Ich blieb aber immer ein großer Fan von  Stefan und hatte mir immer vorgenommen dass ich auch ein Rennfahrer werden möchte - mit Bellof Helm! Dass ist mir dann im Lauf der Jahre auch gelungen, aber ich hatte immer viel Pech. Kein Geld und zu wenig Sponsoren. Ich habe schon zwei mal Stefans Grab in Giessen besucht und natürlich auch sein Buch in Giessen gekauft. Mein Helm mit Bellof Schriftzug habe ich im Kart gefahren (125cc), Formel Arcobaleno, Seat Ibiza Cup und einige Rennen Euro GT in einem Porsche.»

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