In Hockenheim gab es etliche Gewinner

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – so ein sehr treffendes Sprichwort. Da ist was dran. Niko Müller und sein Renndirektor Gerd Hoffmann veranstalten Automobilrennen für GT- und Tourenwagen in ihrer ursprünglichsten Form. In unserer heutigen Zeit wohl ein absoluter Vorteil. Denn man sieht Kämpfe unter-schiedlichster Fahrzeuge wie sonst kaum bei Sprintrennen auf der Rundstrecke. Und wenn es nach den Fans und Aktiven geht, dann sollte es auch dabei bleiben.
Die Schweizer Fahrer wurden vor dem 3. Meisterschafts-wochenende als Favoriten gehandelt. Dieser Rolle wurden die Schweizer auch gerecht. Aber – und nun kommt es – Callaway-Konstrukteur Ernst Wöhr und seine Crew warfen ebenfalls den Hut in den Ring als es um die Sieganwärter ging. Jo Klüber und Gerd Beisel bekamen in Hockenheim Markenunterstützung.

Aeberhard im GT3
Foto: D. Glöckner

Auf der bekannt schnellen Callaway-GT-Masters-Corvette traten Sven Hannawald und Mathias Lauda zusätzlich für das Heilbronner Team in Hockenheim an. Der Wettbewerb schien zum GT3-Rennen zu werden. Denn auch Jürg Aeberhard hatte für Hockenheim sein Kampfgerät gewechselt. Nicht auf seinem Über-Porsche GT2-Turbo sondern auf einem normalen Masters-Basisauto, einem 997 GT3R trat der 26jährige Schweizer an. Da Edy Kamm Reifenexperimente wagte, gelang Landsmann Aeberhard denn auch prompt die Pole (1:41.731). Callaway-Gaststarter Hannawald folgte mit 3/10 Rückstand. In T2 aber wollten es die Callaway-Boys ganz genau wissen. Mathias Lauda ließ sich eine 1.40.943 notieren. Pole für R2 vor dem Schweizer Audi-Ass Edy Kamm. In den Klassen überraschten besonders Jörgen Hansen (DK) und Reinhard Kofler (A) mit schnellen Autos von Porsche und KTM-Audi. Leider bremste ein Feuer am Porsche den Dänen Hansen später entscheidend.

Den ersten Rennstart entschied Jürg Aeberhard im GT3R klar vor Hannawald für sich. Dahinter Beisel, Kamm, Klüber, Kofler, Bender, Hansen, Ex-Bellofpokal-.Gewinner Robin „C“ und Stucky. Alle Augen waren auf die Spitze gerichtet. Was würde sich da nun entwickeln? Schon in Runde 1 gelang es Edy Kamm vor der Mercedes-Tribüne auf der Bremse an Sven Hannawald ran zu fahren. An Start und Ziel war der Schweizer 2. Kamm, im Rennen wieder auf seinen geschätzten Pirellis unterwegs, war bis zu 7/10 schneller unterwegs als Jürg Aeberhard. Der Fight der Schweizer war ein Gedicht. Für die Fans, für den Streckensprecher und ganz sicher auch für die beiden Schweizer Rennfahrer selber. Für den talentierten Junior wie für den Routinier. In der 5. Runde war Edy Kamm vorne. Er konnte sich sogar langsam etwas ab setzen. 5,5 sec waren es, die Aeberhard im Ziel von Sieger Kamm trennten. Ein tolles Resultat. Auch für den 3. Auf dem Treppchen, Callaway-GT3-Fahrer Sven Hannawald. Hinter dem Ex-Skiflieger folgten seine Markenkollegen Beisel und Klüber. Wertvolle Plätze verlor der Däne Jörgen Hansen nach einem Feuer im Auspuffbereich seines sauschnellen Porsche GT3. Im Ziel hatte der schnelle Österreicher Reinhard Kofler den Deutschen Jo Klüber in Sichtweite. „Die Corvette war richtig schnell“, so der KTM-Audi-Fahrer anerkennend. 5sec hinter Kofler dann Jürgen Bender, Robin „C“ - der klebte an Benders Stoßfänger -, Dieter Hagenmüller und Bruno Stucky. Die schnellste Runde ließ sich Sieger Kamm mit 1:41.355 notieren. Mit diesem Sieg zog Kamm mit Aeberhard in der Ewigen-Siegerliste gleich. Beide lagen nun nach Zahl der Siege auf Platz drei dieser Liste.

In den Klassen gelang es „Mr.T“ (Seat), Michael Zemp (CH, Seat), Marc Roth (CH, Audi A4), „Maximilian Stein“ (LUX, Porsche 997), Frank Schreiner (Porsche 996), Dominic Fuchs (Porsche 997 GT3 Cup), Martin Dechent (Porsche 997 GT3 Cup), Robin „C“ (Porsche 997 GT3), Jürg Aeberhard (CH, Porsche 997 GT3R) und Edy Kamm (CH, Audi A4 DTM) den Sieg zu erkämpfen.

Das 2. Rennen des Tages, Meisterschaftslauf Nr. 6 der Saison mutierte auch zum Renn-Krimi der besonderen Art. Für die Fans war es nur die Frage wer gewinnt den Start. Würde Lauda das schaffen, dann, so ein Szenekenner, wäre er weg. „Dann gewinnt der Bursche“, so der GT-Kenner lässig abwinkend. Der Mann war überzeugt, das Mathias Lauda seine um 5/10 bessere Trainingszeit mit gutem Start in einen Sieg für Callaway ummünzen würde. War der Start von Lauda gut genug? Er steckte die Nase zwar vor Kamm in der ersten Ecke nach vorn, aber der Schweizer blieb resolut am Österreicher dran. In der Spitzkehre kam man sich sehr nahe. Auch die Verfolger Beisel und Lang rieben ihre Karossen aneinander. Die Spuren an Edy Kamms Audi zeigten eine gebrochene Aufhängung hinten links. Lauda hatte einen Schaden an der Vorderachse. Wer rutschte wem in der Hitze des Gefechtes rein? Filmbilder gab es zunächst keine. Im Crash Beisel/Land zog Christian Land den Kürzeren. Er musste aufgeben.

Christian Land im Mercedes
Foto: Auto-Rennsport.de

Gerd Beisel kam wieder auf die Strecke und fuhr nun schnellere Runden wie seine Vordermänner. Aber die hatten ihn im Spiegel unter Kontrolle und konterten in den letzten Runden.1,5/10 trennten Bender und Beisel am Ende. Eine unheimlich spannende Jagt die auch den Streckensprecher voll forderte. Was tat sich sonst noch? Jürg Aeberhard konnte die Gunst der Stunde nutzen und verdient gewinnen. Reinhard Kofler, ein 27jähriger Fahrzeugtechniker war es, der hier in Hockeneheim gleich beim ersten DMV-Wochenende einen Platz ganz oben erkämpfen konnte. Das hatten die Männer um KTM-Einsatzleiter Franz Graf noch nicht gleich hier erwartet. Aber die Crew wirkte diszipliniert und sehr organisiert. Die Jungs aus Österreich sahen ihre Chance und nutzten sie sofort auf den Punkt. Reinhard Kofler, Franz Graf und Manfred Wolf. Gesamtrang 2 und Klassensieg. Respekt. Das lässt für Oschersleben hoffen. Dort passt das mit Dallara zusammen entwickelt KTM-Audi-Sportgerät noch perfekter zum Strecken Layout.

In den Klassen gelang es Michael Zemp (CH, Seat), Marc Roth (CH, Audi A4), Lars Pergande (BMW Z4), „Maximilian Stein“ (LUX, Porsche 997), Frank Schreiner (Porsche 996), Oliver Bliss (Porsche 997 GT3 Cup), Martin Dechent (Porsche 997 GT3 Cup), Robin „C“ (Porsche 997 GT3), Jürg Aeberhard (CH, Porsche 997 GT3R) und Reinhard Kofler (A, KTM-X-Bow-Audi) den Sieg zu erkämpfen.
In der Meisterschaftstabelle blieb damit „Maximilian Stein“ in Führung. Einer war traurig und glücklich zugleich. Frank Schreiner kam mit seinem neuen RS-Motor blendend klar. „Zwei Klassensiege, was will ich mehr“, so der Saarländer Team-DONIC-Fahrer. Dann aber dachte er an die verlorenen Punkte durch sein Motorproblem beim 2. DMV-TCC-Weekend. „Tja, hätte, wäre, wenn hilft wenig“. Ohne den Ausfall würde Schreiner in der Tat jetzt mit Maximilian Stein um die Tabellenführung kämpfen.
Text: HTS

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