Dreifacher DMV-Bellof-Pokal-Sieger will weiter auf Sieg fahren

Mit dem Ziel „Titel“ unterwegs Jürg Aeberhard

Jürg Aeberhard, der Schweizer aus Biglen, hat in der Saison 2010 bereits im 3. Jahr in Folge mehr als deutlich gezeigt, welch hohe fahrerische Leistung er bringen kann. Eigentlich erstaunlich das der 23jährige nicht schon zu höheren Aufgaben berufen wurde. Sind nur „Paydriver“ gesucht? „Es schein wohl doch so zu sein. Nur mit erstklassiger Leistung alleine bekommt man noch keinen Platz in einem FIA-GT-Auto angeboten“, so der junge Könner aus dem Berner Land. Ist das Enttäuschung? Ich denke nicht. Jürg Aeberhard weiß was er kann und sieht die Dinge recht nüchtern. Wenn gleich…? Durch die GT3 und GT2-Modellen die in Zusammenarbeit mit Stadler Motorsport in der Schweiz aufgebaut wurden, stand und steht Jürg nie ohne Cockpit da. Und sein Einsatzwille ist ebenfalls groß und ungebrochen. Als im vergangenen Sommer in Hockenheim ein Motorschaden im Training den Porsche 993 GT2 lahm legte, telefonierten Senior Kurt Aeberhard, Jürg‘s Bruder Lukas, kein absoluter Racefan, sondern eher dem runden Leder zugetan und dem sofort in Richtung Schweiz aufgebrochene Jürg im Dreieck. Es galt den in Biglen einsatzfertig dastehenden Porsche GT3 nach Hockenheim zu holen. „Serienpromoter Hoffmann hatte unseren Notfall geprüft und grünes Licht für den Fahrzeugwechsel gegeben“. Zwar musste Jürg Aeberhard wegen der fehlenden Trainingszeit in diesem Fall von ganz hinten starten, aber er konnte einmal mehr auf sein Talent aufmerksam machen. Und er konnte wichtige Rennkilometer sammeln. „Eine Sache die nie unterschätzt werden darf“, so der junge Rohdiamant aus der Schweiz.

Doch zurück zu der Nacht- und Nebelaktion „GT3 aus Biglen holen“. Als Jürg in der Schweiz angekommen war musste er noch die zum GT3 passenden Räder durchsehen. „Mein Bruder Lukas hatte alles soweit vorbereitet. Der Wagen war verladen. Als das mit den Rädern auch geklärt war haben Anja und ich uns in den Transporter geschwungen um zurück Richtung deutsche Grenze und weiter auf der Autobahn Richtung Hockenheim zu fahren. Richtung Norden und dann immer geradeaus. Eine lange Strecke im Transporter“. Als Jürg am Samstag dann in Rennen 1 als Klassendritter durchs Ziel schoss war das eine unheimliche Genugtuung für den Schweizer. Er war trotz des Defektes am GT2 und trotz des Wagenwechsels vom letzten Startplatz in Rennen 1 noch aufs Klassentreppchen gefahren. Das gelang auch im 2. Rennen des Tages wieder. Vor Hockenheim führte Jürg Aeberhard die DMV-Challenge-Meisterschaftstabelle an. Diese Führung übernahm in Hockenheim der mit Schweizer Lizenz startende BMW-Pilot und amtierende Meister Hans Christian Zink. Durch den Motorschaden ging der junge Hero stehend KO. „That‘s racing“, so einer bei der Siegerehrung achselzuckend. Das war ein Mann der sich im Motorsport gut auskennt. „Wahnsinn, der Junge hat ja mächtig hingelangt“, so dazu in Rennen 1 eine besondere Anerkennung aus berufenem Munde für die Leistung der Schweizers durch den Streckensprecher. Und der Mann weiß wo von er redet. Klaus Lambert begleitet die Serie seit Jahren. Die Aeberhard-Crew, Rennroutinier Kurt, Therese Aeberhard, Anja und der Junge Hero Jürg waren am Rennabend trotz allem sichtlich zufrieden. Man hatte absolut was aus der nicht unproblematischen Situation machen können.

Aeberhard mit Georg Bellof
Jürg Aeberhard gewann mit neuem Motor im GT2 in der vergangenen Saison nacheinander Rennen in Dijon (F), Monza (I) und Hockenheim (D). eine feine Bilanz in der Saison 2010. Insgesamt hat der Junior bereits 10 Rennen in der DMV-Serie als Gesamtsieger beendet. In der Ewigensiegerliste spülte das den Schweizer bereits auf Platz 7. Er gewann alle Rennen auf dem Porsche 993-GT2 des väterlichen Teams. Der Wagen war zuletzt gelb lackiert. Ein wenig heller gehalten wie jene Farbe seines Landsmanns und Kampfgenossen im Spitzenfeld, Pierre von Mentlen aus dem Tessin. Kommt Gelb in Mode? Es ist auf alle Fälle eine Farbe die nicht nur auf der Strecke ins Auge sticht, sondern auch auf den Fotos der Medien. Martin Dechent rennt gelb, Frank Schreiner tut es - auch er wie Dechent Klassenbester 2010 - und auch Thomas Langer der Partner im Klassenkampf von Martin Dechent rennen in Gelb. Gespräche für einen Einsatz bei den 24h in Dubai gab es mit der Deutschen Sportwagenschmiede. Doch die setzten schließlich keine Wagen ein. Ein Start mit Stadler-Motorsport aus der Schweiz in Valleunga vor den Toren Roms im November lief gut. Ein Ausfall nach 3 Stunden hatte technische Gründe. „Auf jeden Fall war dieser Langstreckenstart eine interessante Erfahrung für mich“, so der Schweizer. Einen Rekord gab es am Ende der Saison auch noch zu vermelden. Zum 3. Mal in Reihe wurde Jürg Aeberhard mit dem Bellofpokal für junge Talente in der DMV-TCC-Serie ausgezeichnet. 3 Mal kann ein herausragend starker Fahrer diesen Pokal gewinnen. Der Vater des unvergessenen Deutschen Formel-1-Fahrers Stefan Bellof überreichte mit Jürg Aeberhard diesem Pokal zum 3. Mal in Reihenfolge, also quasi schon einem alten Bekannten. (HTS)

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