"Stibbich" - Das Stefan Bellof Portrait

Nach Erfolgen im Kart-Sport hatte Stefan 1980 auch die deutsche Formel-Ford 1600 Meisterschaft gewonnen und debütierte mitten in der Saison in der deutschen Formel-3 Meisterschaft, wo er bei nur sieben Starts dreimal gewann und beinahe noch Meister geworden wäre. Mit Hilfe von BMW wurde er 1982 in das Formel-2 Team von Willy Maurer gebracht. Seine ersten beiden Rennen in Silverstone und Hockenheim gewann er in begeisterndem Stil, mit etwas mehr Erfahrung und besserer Vorbereitung der Maurer-BMW hätte er auf Anhieb Europameister werden können. Eine weitere Formel-2 Saison im Team von Willy Maurer war vergeudete Zeit und brachte keinen einzigen Sieg mehr.
Aber immerhin hatte Stefan 1983 einen Platz im Gruppe-C Werksteam von Porsche bekommen. Auch hier gewann er auf Anhieb sein erstes Rennen und sicherte sich ein Jahr später den Titel des Langstrecken Weltmeisters. Zu diesem Zeitpunkt hatte es sein Manager Willy Maurer geschafft Stefan bei Tyrrell unterzubringen, obwohl BWM ihn lieber bei Arrows gesehen hätte. 1985 wechselte der Giessener in der Gruppe-C Weltmeisterschaft zum privaten Porsche Rennstall des Schweizers Walter Brun, wo die Teamkollegen Thierry Boutsen und Gerhard Berger nicht einmal ansatzweise mit den Zeiten von Stefan mithalten konnten.

In der Formel 1 gab es für Stefan in den hoffnungslos unterlegenden Tyrrell immer wieder Lichtblicke. Beim GP von Belgien 1984 wurde er Sechster vor einem gewissen Ayrton Senna, der bei Toleman seine erste Grand Prix Saison bestritt. Ein Rennen später startete Stefan vom 21. Platz um am Ende als Fünfter abgewunken zu werden.

(Foto: Schlegelmilch)

Anfang Juni kam es dann zum wohl bekanntesten F1 Rennen seiner kurzen Karriere, der "Grand Prix de Monaco 1984". Senna hatte sich für den 13. und Stefan für den 20. und letzten Startplatz qualifiziert. Am Renntag regnete es in Strömen, die Chance für beide Rookies, ihr dürftiges Rennwagenmaterial dank höchster Fahrkunst auszugleichen. Alain Prost führte das Rennen zehn Runden lang an, ehe sich ein anderer Außenseiter an dem WM Spitzenreiter vorbei schob. Nigel Mansell lag erstmals bei einem Formel-1 Rennen in Führung. Sechs Runden später verlies Mansell das Glück und er rutschte in die Leitplanken. Prost übernahm erneut die Führung und hinter ihm auf Platz zwei tauchte Senna auf gefolgt von Lauda. Stefan überholte nacheinander Fabi, Laffite, Winkelhock und Rosberg. Als Lauda rausflog befand er sich hinter Arnoux auf Platz vier. Vor der Virage Mirabeau quetschte sich der Giessener mit seinem Tyrrell zwischen der Leitplanke und dem Ferrari durch. Nach nur 32 von 77 vorgesehenen Runden wurde das Rennen abgebrochen. Stefan wurde hinter Senna dritter. Die bis zum GP von England erkämpften Punkte der Fahrer und des Teams wurden nachdem Tyrrell des versuchten Betruges überführt wurde wieder gestrichen. Der Rennstall wurde aus der laufenden Saison ausgeschlossen. 

1985 fuhr Stefan noch 9 weitere F1 Rennen bevor er am 1.September den wohl höchsten Preis seiner Rennleidenschaft bezahlen musste. In der Formel 1 hatte sein Tyrrell endlich einen Turbo-Motor erhalten und für die Saison 1986 gab es ein Angebot von Ferrari. Doch zwischendurch musste Stefan in dem Gruppe-C Porsche von Walter Brun etwas Geld verdienen. Am Rennsonntag war Stefan mal wieder der schnellste Mann im Feld. Leider hatte der Werks-Porsche von Jacky Ickx ein paar PS mehr als der Brun-Porsche und Stefan fand keinen Weg vorbei. Für einen winzigen Augenblick riskierte er einen kleinen Tick zuviel, rundenlang genervt und geärgert von Ickx, der nicht nachgab. In der Senke von Eau Rouge rechnet Stefan nicht mit der Sturheit seines Gegners. Deutschland verlor an diesem Wochenende sein bis dahin wohl größtes Talent im Motorsport, nur wenige Tage nach Manfred Winkelhock.

(Foto: Schlegelmilch)

Er trug all unsere Hoffnungen. Von seinen Freunden wurde er liebevoll "Stibbich" genannt.

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